Ständiger Wandel in der Arbeitswelt – wie wirkt sich das auf die psychische Belastung und Beanspruchung der Arbeitnehmer:innen aus? Veränderungsmüdigkeit (Change Fatigue), beschrieben als Erschöpfung oder Überforderung von Beschäftigten durch wiederholte oder konkurrierende Veränderungsinitiativen, kann eine Folge sein. Eine aktuelle Studie, die im Rahmen des BMBF-geförderten Projekts „PerspektiveArbeit Lausitz“ (PAL) durchgeführt wurde, liefert dazu neue Erkenntnisse. Die Ergebnisse wurden von den Autorinnen Sylvia Franke-Jordan, Sophie Berger und Jessica Heilfort auf dem Frühjahrskongress der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft (GfA) vorgestellt.
Was ist Change Fatigue? Change Fatigue beschreibt einen Zustand psychischer und emotionaler Erschöpfung, der durch wiederholte, überlappende oder schlecht gestaltete Veränderungsprozesse am Arbeitsplatz entsteht. Dies kann zu Resignation, Motivationsverlust und reduzierter Arbeitszufriedenheit führen. Während sich Change Fatigue von verwandten Konzepten wie Change Zynismus oder Burnout unterscheidet, zeigt es dennoch erhebliche negative Auswirkungen auf das Engagement der Beschäftigten und den Erfolg betrieblicher Veränderungsprozesse.
Zentrale Ergebnisse der Studie In einer deutschlandweiten Befragung mit 2.808 Teilnehmenden wurde untersucht, wie weit Change Fatigue verbreitet ist und welche Zusammenhänge zu demographischen und betrieblichen Faktoren bestehen. Die wichtigsten Ergebnisse:

Ein Drittel der Befragten (34 %) leidet unter Change Fatigue.
Mitarbeitende in Großunternehmen sind signifikant häufiger betroffen als Beschäftigte in kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU).
Alter und Geschlecht haben nur geringe Auswirkungen auf das Auftreten von Change Fatigue.
Bedeutung für Unternehmen und Forschung Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass Unternehmen dem Phänomen der Veränderungsmüdigkeit mehr Aufmerksamkeit schenken müssen. Fehlende Erholungsphasen nach abgeschlossenen Veränderungsprojekten, eine hohe Frequenz an Change-Prozessen und mangelnde Anpassungsressourcen können dazu führen, dass Mitarbeitende überfordert werden und ihr Engagement für das Unternehmen verringern.
Die Forscherinnen betonen, dass Change Fatigue insbesondere durch eine nachhaltige und mitarbeiterorientierte Veränderungsgestaltung reduziert werden kann. Dazu gehören klare Kommunikation, realistische Zeitpläne und eine bessere Einbindung der Beschäftigten in Veränderungsprozesse.
Ausblick Zukünftige Studien sollen vertiefen, wie sich verschiedene Arten von Veränderungsprozessen auf Change Fatigue auswirken und welche Maßnahmen zur Prävention und Reduktion von Veränderungsmüdigkeit besonders wirksam sind.
Die Autorinnen bedanken sich bei den Kolleg:innen der Arbeitsgruppe Wissen–Denken-Handeln an der Fakultät Psychologie der TU Dresden für die Möglichkeit, dass die Befragung zu Change Fatigue in die Studie „Lernen am Arbeitsplatz in Zeiten von Wandel“ integriert werden konnte.
Link zur Studie: Tagungsband GfA 2025